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Beinahe abgesoffen...





Kurzinhalt:
Der Luxusliner Poseidon macht auf einer Kreuzfahrt - ausgerechnet in der Silvester-Nacht - unliebsame Begegnung mit einer Riesenwelle und wird von der Wucht des Zusammenpralls glatt umgeworfen. Fortan treibt das Schiff mit dem Kiel nach oben auf dem Meer und die wenigen Überlebenden verharren in der Hoffnung auf ein Rettungsteam im angeblich wasserdichten Ballsaal. Eine kleine Gruppe bunt zusammengewürfelter Menschen jedoch wagt den beschwerlichen Weg aufwärts zum Rumpf des Schiffes, um über die Öffnung der Schiffschraube ins Freie zu gelangen...

Meine Meinung:

Hätte ich eine innige Beziehung zu Wasser, würde ich wohl eifersüchtig werden wenn man bedenkt wieviel Zeit Wolfgang Petersen mit dem kühlen Nass verbringt. "Das Boot", "Der Sturm" und nun "Poseidon" - vielleicht haben Wolfgangs Eltern ihn früher nicht ins Schwimmbad gelassen!? Was auch immer der Grund sein mag, diesmal hat das Element Wasser dem Starregisseur wenig Glück gebracht. Dass "Poseidon" ein Remake darstellt ("Die Höllenfahrt der Poseidon", 1972) ist mir dabei relativ wurscht, ich kenne das Original schließlich nicht. Doch wenn man schon in der heutigen Zeit unbedingt einen solch klassischen Katastrophenfilm dreht, dann bitte schön mit etwas mehr Pfiff!

Die Handlung gestaltet sich genauso genretypisch wie die stereotypen Hauptdarsteller: Kaum ist die Riesenwelle beeindruckend über das Schiff hereingebrochen und hat Chaos und Verwüstung angerichtet (was hier nach nicht mal 30 Minuten erledigt ist), machen sich schon ein paar mutige Gesellen auf den Weg um sich von Raum zu Raum, von Deck zu Deck vorzuarbeiten um zur rettenden Schiffsschraube zu gelangen. Ich fühlte mich an ein Videospiel erinnert, in jedem Level gab es neue Hindernisse und tödliche Gefahren zu überwinden, Spezialfähigkeiten wurden eingesetzt ("Ich war mal Feuerwehrmann!", "Ich war mal Architekt!", "Ich war mal Sportschwimmer!", "Ich war mal ein Känguru-Hoden!" etc.) und natürlich verliert man bei einem falschen Schritt ein Bildschirmleben. Zum Glück musste man bei "Poseidon" nicht neustarten und eine Levelkarte konnte man mitunter auch inspizieren - also das Spiel hatte einen ausgewogenen Schwierigkeitsgrad. Und nicht mal einen harten Endgegner, sowas...

Inszenatorisch haben Peterson und sein Team dabei solide Arbeit geleistet, vor allem das durchgehend hohe Tempo kommt dem Film unheimlich zu Gute - wenn auch ehrlich gesagt vor allem um die offensichtlichen Schwächen zu kaschieren. *g* Optisch macht der Luxusliner viel her, wird in stimmigen Bildern eingefangen und die Folgen der Riesenwelle werden ebenfalls ansprechend in Szene gesetzt. Inklusive der auf den Kopf gestellten Räume, die von der Gruppe Überlebender auf dem Weg zum Rumpf durchquert werden (der ja noch über Wasser treibt). Schade nur dass diese kleine Odyssee nicht etwas origineller gestaltet wurde, vor allem was die Gefahren und Todesfälle angeht. Übrigens dürfte jedem Zuschauer sehr schnell klar sein welche Figuren den Film auf gar keinen Fall überleben und zum Teil sogar in welcher Reihenfolge die Leute sterben. Überraschungen sind da eher Mangelware. Trotzdem: Aufgrund des hohen Tempos und der überzeugenden Darstellung der Katastrophe kommt durchaus etwas Atmosphäre auf, wenn auch ein weiterer Faktor dafür sorgt dass "Poseidon" sehr schnell zum (Edel-)Trash "verkommt".

Ich spreche natürlich von den Protagonisten, die man nicht liebloser und klischee-behafteter hätte zusammenstellen können. Hey ich freue mich natürlich den Rüssel-Kurt endlich nochmal zu sehen, er spielt auch eigentlich ganz passabel, ebenso wie z.B. Josh Lucas. Blöd nur dass die Charaktere dermaßen eindimensional gestrickt und die Dialoge größtenteils unterirdisch schlecht bis peinlich geraten sind - wer zum Geier soll denn da eine Beziehung zu den Figuren aufbauen können? Das wäre nämlich gar nicht mal unnützlich, um auch mitzufiebern bei der beschwerlichen Reise zum provisorischen Notausgang der Poseidon. Packende Szenen gibt es zwar einige zu begutachten (z.B. beim Fahrstuhl- und beim Lüftungsschacht), dem stehen aber andererseits lächerliche Szenen (z.B. der "Bungeesprung") gegenüber. Der einzig wirklich emotionale Moment war in meinen Augen der als der kleine Junge eingeschlossen war - aber hier kommt ja auch der Kinder-Bonus zum Tragen, das zählt eigentlich nicht. *lol* Wie dem auch sei, jedenfalls hätte man mit interessanteren Charakteren (die auch ausführlicher hätten vorgestellt werden müssen) noch eine Menge reißen können, da muss man die Schuld wohl vor allem den Drehbuchautoren geben.

Fazit:
Unter'm Strich bleibt für mich der Eindruck dass Wolfgang Peterson nicht mehr wollte als einen verdammt geradlinigen Katastrophenfilm zu drehen, der kurzweilig unterhält und in dem einzig und allein das Tempo, die Action und die Effekte im Vordergrund stehen. Alles andere scheint reine Nebensache und wird hier äußerst lustlos abgearbeitet. Nun, Ziel erreicht würde ich sagen! "Poseidon" ist ein Pausensnack für zwischendurch, der leicht schmeckt und nicht belastet. That's all. ^^ Ein Meisterwerk wie "Titanic" darf man halt nicht erwarten, dann wird man auch nicht enttäuscht sein. Und Herr Petersen soll bloß nicht enttäuscht sein über die magere 4+ - er hat es ja offenbar nicht anders gewollt.


P.S. Heiligsblechle, Richard Dreyfuss ist aber verdammt alt geworden... Hab mir vor kurzem erst "Stakeout" 1 und 2 auf DVD gekauft, zwei richtig gute Filme mit ihm.
16.7.06 21:37
 


bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sandor (17.7.06 07:17)
Huhu Thomas,
nachdem ich das Original natürlich kenne und ich die Ursprungsversion mit ner 2 bewertet hätte, bin ich natürlich enttäuscht von diesem Remake. Ich habs nicht im Kino gesehen aber Deine Kritik wird sicherlich zutreffen. Schade darum, denn die Thematik und die Story bieten doch einige Möglichkeiten. Witzig ist ja, dass parallel zum Kinofilm eine US-TV Version ausgestrahlt wurde jetzt im Fernsehen und die war mal so richtig schlecht. US-typisch hat man da nämlich das Kentern einigen arabischen Terroristen zu verdanken, die Bomben anbrachten ! Also es geht immer noch schlechter.


Babe Babs / Website (17.7.06 16:49)
Zitat: "Ich fühlte mich an ein Videospiel erinnert, in jedem Level gab es neue Hindernisse und tödliche Gefahren zu überwinden, Spezialfähigkeiten wurden eingesetzt."

Hmmm...das hätte Dir dann doch eigentlich richtig gut gefallen müssen, oder?

...der Rüssel - Kurt mit dem langen Spezialrüssel und der olle Dreifuß mit dem verkürzten dritten Bein in der Mitte...die kleine naße Schlampe in Gefahr...Topstars in Bestform......andererseits...haben die Leute echt mit einem zweiten Titanic von James Cameron gerechnet? Nö...also wirklich...nö.

Aber ich dachte mir schon, dass das nichts oder nur wenig werden wird. Sie hätten für Dreyfuß mindestens einen weißen Hai und für den Kurt eine Klapperschlange einbauen sollen. Ich kenne den ollen Streifen mit Gene Hackman. Der war gar nicht mal schlecht, aber auch wiederum nicht der Superabtaucher. Ein typischer Katastrophenfilm eben aus den siebziger Jahren mit vielen Kletter- und Hüpfeinlagen, nur dass man damals eben noch keine Jump and Run Games kannte. Da waren "Erdbeben" und "Flammendes Inferno" schon ganz andere Kaliber...

Zitat: "Heiligsblechle, Richard Dreyfuss ist aber verdammt alt geworden"

Ja, was denkst Du denn...der wird nächstes Jahr immerhin 60...und ist doppelt so alt wie Du und ich und hat in etwa 9 /10 seines Lebens hinter sich. Und ja, Stakeout 1 und 2 waren gute Filme. Ich persönlich bevorzuge allerdings Stakeout 1


Tiuri (17.7.06 17:27)
@Sandor:
Das scheint in Mode zu kommen, parallel zu 'nem Kinofilm auch eine billige TV-Produktion auf den Markt zu werfen - gut dass man solche TV-Movies meiden kann. ^^
"Poseidon" ist nicht unbedingt schlecht, aber wie Du schon sagst bietet das Thema echt viele Möglichkeiten, die konnte oder wollte Peteren aber offensichtlich nicht nutzen. Vielleicht gefällt Dir der Film sogar, ich wurde ja auch ganz passabel unterhalten, nur darf man halt absolut nix neues oder originelles erwarten...

@Babs:
Das Problem ist, ein Videospiel bringt mir nur was wenn ich 'nen Joystick in der Hand hab - und wehe Du erwiderst darauf jetzt was schweinisches!!!
Ich hoffe mal nicht dass die Leute einen zweiten "Titanic" erwarten (hach, Leo die kleine Schlampe.. *schwärm*), hohe Erwartungen sind bei "Poseidon" von Anfang an zum scheitern verurteilt.
Zu Dreyfuss: Ich hoffe für uns er sieht auch doppelt do alt aus wie wir beide. ^^ Hatte ihn wohl recht lange nicht mehr gesehen, deshalb war ich leicht erschrocken. Aber dass er einen warmen Bruder spielt ist natürlich fein.. *hihi*.. wenn auch für den Film irgendwie vollkommen unerheblich.

Hey Babsi, freut mich richtig dass Du hier so oft vorbeischaust, hab schon langsam das Gefühl Du bist öfter hier als bei Kino.de - wann gibt's eigentlich in Deinem Blog nochmal was neues?

*Sandor und Babe knuddelz*


Knurrunkulus / Website (20.7.06 16:33)
Ähm, wie kann man denn mal ein Känguruh-Hoden gewesen sein? Und muss sich das nicht irgendwie arg baumelig anfühlen? Schwindelanfälle, wenn das Viech ständig hüpft. Massive Schweissbildung bei DEN Temperaturen? Ich ... äh ... schweige schon still.

Gute und sehr lesenswerte Kritik in jedem Fall. Ich hatte Spaß beim Lesen und habe sehr viel gelacht. Ob ich mir "Poseidon" nun antun werde, weiß ich aber irgendwie immer noch nicht. Langsam ist es beängstigend, wie ewig ich schon nicht mehr im Kino gewesen bin.

Naja, wat soll's? Kommt Zeit kommt Kinokarte.


Tiuri / Website (20.7.06 22:16)
Ich will jetzt nicht beschwören dass der "Känguru-Hoden"-Satz wirklich im Film vorkam, hätte ich allerdings geahnt dass es tatsächlich jemanden gibt der sich sowas bildlich vorstellt, dann hätt ich es weggelassen. Ich hab halt nicht Dich gedacht Knurri, Du hast eben eine ausgeprägte Phantasie.. in diesem Fall leider..

Danke für's Lob - und jetzt husch husch, ab zu Kino.de und mir dort ein Sternchen geben, so wie's Babe gemacht hat! *LOL*

Was war denn Dein letzter Kinofilm? Dieses Jahr ist irgendwie nicht gerade mit Highlights gesegnet, kann also verstehen wenn'as Dich net so ins Lichtspieltheater zieht. Wenn Du einen Tipp brauchst empfehle ich ganz klar "Ab durch die Hecke"! ^^

Andererseits: Wenn Deine Kinoabstinenz dafür sorgt dass Du mehr Zeit für Deinen tollen Blog hast, dann nehme ich das in Kauf. Das klingt zwar geschleimt, aber ist Fakt - Dein Blog ist mein Lieblingsblog.
                                                                                                                        


Knurrunkulus / Website (22.7.06 18:24)
Ja doch, ich bin gerade vor Stolz gewachsen. Um zehn Zentimeter.

Danke für das Lob. Damit hätte ich echt nicht gerechnet.

Mein letzter Kinofilm: X-Men 3. Leider. Seitdem: Absolute Flaute. Auch leider.


Tiuri / Website (26.7.06 08:04)
@Phil:
Jetzt müsste ich nur noch wissen wie groß Du überhaupt bist, damit ich weiß ob ich Dich überhaupt loben DARF.. nicht dass Du Dir irgendwann wegen mir überall den Kopf stößt!?

"X-Men III" war doch keine schlechte Wahl - und "Ab durch die Hecke" wäre es garantiert auch nicht. Und "Fluch der Karibik II"? Den lässt man sich doch nicht entgehen, oder?
                                                                                                                        

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