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This is Ground Control to Major Tom





Kurzinhalt:
Zachary, zweitjüngster von fünf Söhnen der kleinbürgerlichen Vorstadtfamilie Beaulieu, kommt genau an Weihnachten 1960 zur Welt und hat damit für seine fromme Mutter einen besonderen Status. Sie glaubt nämlich fortan fest an eine besondere "Gabe" des Jungen, er soll - das bestätigt ihr ein Tuppaware verkaufendes Medium, heilende Kräfte besitzen. Zac ist auch in der Tat "anders" als seine Brüder, allerdings eher auf seine sexuelle Veranlagung bezogen. Der Film begleitet Zac bis ins Teenager- und Twen-Alter hinein und wir dürfen miterleben welche Höhen und Tiefen er durchmacht, wie er seinen Platz innerhalb der Familie und auch sich selbst sucht...

Meine Meinung:

Es gibt sie also doch noch, die kleinen Highlights im an sich sehr durchwachsenen bisherigen Kinojahr 2006. Neben "Ab durch die Hecke" ist dies erst der zweite Film der mich restlos begeistern konnte - und das erfreulicherweise in einem gänzlich anderen Genre.

"C.R.A.Z.Y." ist eine Verquickung von Familiendrama und Charakterstudie, im Mittelpunkt steht dabei der junge Zachary und sein Weg zu sich selbst. Über viele Jahre hinweg begleitet der Zuschauer diese sympathische Figur und ist immer hautnah dabei wenn sich heitere, melancholische und konfliktgeladene Situationen vor allem mit seiner Familie abwechseln. Den größten Rückhalt bekommt der außergewöhnliche Bub dabei von seiner verständnisvollen (und gerne mal Toast bügelnden ) Mutter, am interessantesten wird jedoch sein Verhältnis zum Vater beleuchtet. Diesen bewundert er zunächst und eifert ihm nach, doch seine unterdrückte Homosexualität verträgt sich natürlich auf Dauer nicht mit der Einstellung des Herrn Papa, der keine "Schwuchtel" in seiner Familie duldet. Logisch dass Zac immer wieder auf's Neue mit sich selbst zu kämpfen hat, dies setzt der Film inszenatorisch einfach grandios um - und das über die gesamte Laufzeit von immerhin zwei Stunden!

"C.R.A.Z.Y." wird zu keinem Zeitpunkt langweilig, da Regisseur Jean-Marc Vallée die Geschichte erzählerisch sehr erfrischend und abwechslungsreich gestaltet - als Zuschauer wird man von den Schicksalen der Figuren (ja, auch abseits von Zac) gefangen genommen. Mittendrin statt nur dabei - das passt in diesem Fall perfekt. Ob Freude, Ärger, Angst, Trauer, Mitleid... die emotionale Bandbreite der Charaktere im allgemeinen und von Zac im besonderen hat sich mühelos auf mich übertragen. Stark unterstützend wirkt dabei wohl auch die gelungene Einbindung der jeweiligen zeitgenössischen Eigenheiten und Musikstile - da hat sich ja schließlich von den 60ern über die 70er bis zu den 80er Jahren einiges getan. ^^ Sehr liebevoll wurde hier auf Details geachtet, was dann schlicht und ergreifend optimal zur überzeugenden Handlung passt. Übrigens habe ich mir "This is ground control to Major Tom" Von David Bowie sofort nach dem Kinobesuch besorgt, weil ich den Song einfach klasse finde.

Ich möchte nochmal betonen dass "C.R.A.Z.Y." kein trockenes Drama darstellt, sondern auch eine feine Dosierung Humor mitbringt. Teils eher subtil und teils recht "platt" (Bruder der jedes Etikett liest, furzender Bruder ect.) - unter'm Strich fügt es sich auf jeden Fall gut ein in den vielschichtigen Film. Vallée hat eine kleine Welt mit mehreren unterschiedlichen Elementen geschaffen - es werden sowohl gesellschaftliche als auch persönliche und religiöse Aspekte beleuchtet. Für den Zuschauer bedeutet das eine erstaunlich spannende Reise in diese Welt, der ich sogar gerne noch länger hätte beiwohnen können. Ähnlich erging es mir damals bei "About Schmidt". ^^

Die wichtigsten Darsteller machen ihre Sache alle sehr gut, vor allem Michel Coté als Vater Beaulieu (mit gehörigem Dachschaden was seine Einstellung zur Homosexualität angeht). Auch die Darstellung der Mutter und des ältesten Sohnes kann voll und ganz überzeugen, besonders hervorheben muss ich aber logischerweise Marc-André Grondin. Er spielt den (älteren) Zachary mit beeindruckender Überzeugungskraft und neben seinem Charisma sieht er auch noch recht schnuckelig aus..

Fazit:
Bis jetzt für mich der zweitbeste Kinofilm in diesem Jahr! "C.R.A.Z.Y.", übrigens ein kanadischer Film, kann ich jedem Freund anspruchsvoller Dramen mit Witz nur empfehlen - und jedem Schwulen sowieso. Denn gerade der Vater-Sohn-Aspekt, welchen Einfluss auch die Erziehung auf ein Kind hat, ist unheimlich interessant und lässt sich definitiv auch auf unsere heutige Zeit übertragen. Ein Film zum genießen und nachdenken, der sich nicht zu wichtig nimmt (wie manch anderer gehypter Quatsch à la "München" oder "Walk the Line") und doch wichtiger ist als man glauben könnte. Tiuri sagt: Wenn möglich ansehen!


P.S. Wieso laufen solche Filmperlen eigentlich (fast) nie regulär im Kino sondern sind nur mit Glück in der Sneak oder der CineExtra zu sehen?? Auf Zelluloid entsorgter Müll wie die "Fast and the Furious"-Rotze bleibt dagegen wochenlang im Programm. Das versteh wer will...
8.8.06 22:13
 


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